Polizei SV Hannover Judo Abteilung 60 Jahre (2014) 1954 - 2019
Polizei SV Hannover Judo Abteilung   60 Jahre (2014)               1954 - 2019

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Kraft richtig lenken - Bericht der Haz für die Kooperation zwischen der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule und der Judo Abteilung

Angeleitet kämpfen: Marvin und Eyyüp trainieren unter Aufsicht von Karl-Heinz Steingräber im Polizei-Sportverein Judo.

Die Kraft richtig lenken





Im Polizei-Sportverein trainieren behinderte und nicht behinderte Judoka
miteinander. Mirja Henrici und Karl-Heinz Steingräber starteten 2003 das
erfolgreiche Projekt

 

Durch die Turnhalle der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule schallt ein
begeisterter Aufschrei. Dann saust eine Gestalt im weißen Anzug wie ein Blitz
Richtung Matte, springt in die Höhe, wirbelt durch die Luft, überschlägt sich
kopfüber und bleibt lachend auf dem Rücken liegen. „Ich bin Jasmin", stellt sich
der dunkelhaarige Wirbelwind vor, „ich mache schon seit zwei Jahren Judo." Das
stimme, bestätigt Trainerin Mirja Henrici. Sie lächelt vieldeutig, wartet bis
die Elfjährige sich entfernt hat und sagt leise: „Und vor weniger als einem
Jahr hat sie sich nicht einmal einen Purzelbaum zugetraut."

Dass sich das geändert hat, ist Henricis Verdienst. Die 32-Jährige ist
begeisterte Judosportlerin und pädagogische Mitarbeiterin der Förderschule für
geistig behinderte Kinder in Buchholz. Schon lange ging ihr der Gedanke durch
den Kopf, dass der japanische Kampfsport Judo für die besonderen Bedürfnisse
von einigen der 167 Schüler, die zum Teil mehrfach schwerbehindert sind, genau
das Richtige sein könnte. „Die für Judo typischen Bewegungskoordinationen sind
für die Motorik mancher Behinderter geradezu ideal", sagt sie. Doch erst als
Henrici in der Judosparte des Polizeisportvereins den pensionierten Lokführer
Karl-Heinz Steingräber näher kennenlernte, nahm das Projekt Gestalt an.

Im Sommer 2003 gründeten die agile junge Frau und der erfahrene 63-jährige
Trainer nicht nur eine Judo-AG an der Schule in der Neuen Landstraße, sondern
sorgten auch dafür, dass sich die Judoabteilung, die erfolgreichste Sparte im
Polizeisportverein, den behinderten Judoka öffnete. „Keiner unserer Sportler
hatte da irgendwelche Vorbehalte. Das Ganze lief von Anfang an prima",
berichtet Steingräber, der seit mehr als 30 Jahren Judo betreibt. An seinem
Training, das er in der Schule selbst sowie in der Kaserne der
Bereitschaftspolizei in der Lister Tannenbergallee anbietet, nehmen insgesamt
rund 20 behinderte Schüler teil. Sie sind zwischen sieben und 22 Jahren alt. In
der Kaserne trainieren sie immer paarweise mit ihren nichtbehinderten
Sportkollegen und werden von Steingräber auch exakt so behandelt. „Ihre
Behinderung tut schließlich nichts zur Sache", sagt der Pensionär.

Der Erfolg gibt Henrici und Steingräber Recht. Im vergangenen Jahr wurde Manuel
Müller, Schüler der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule, Internationaler Deutscher
Meister in der Judodisziplin für Behinderte. Manuel Müllers Erfolg ist nicht
nur Grund zur Freude im Polizeisportverein und in der Schule sowie Bestätigung
für die beiden Initiatoren des integrativen Projekts. Er macht auch deutlich,
in welcher Weise sich Judo positiv auf behinderte Jugendlichen auswirken kann.

„Manuel war, gelinde gesagt, schwierig", erinnert sich Steingräber, „groß und
stark wie er ist, wusste er oft nicht wohin mit seiner Kraft." Die eigenen
Kräfte in Zaum halten, sie in geregelte Bahnen lenken, Regeln akzeptieren,
Respekt vor allem Schwächeren gegenüber zeigen – all das haben Jugendliche wie
Manuel Müller durch die Kooperation des Polizeisportvereins mit der
Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule beim Judosport gelernt.

„Judo gibt unseren Schülern die Möglichkeit, sich auszutoben und den fairen
Gedanken des Kampfsports zu verinnerlichen", lobt auch Förderlehrer Andreas
Tieben, der Henrici und Steingräber unterstützt. Außerdem bilde das Training im
Polizeisportverein mit den nichtbehinderten Judoka eine wunderbare Brücke in
das normale gesellschaftliche Leben.

Henrici und Steingräber wissen um die positiven Auswirkungen ihres Engagements.
Und es macht sie stolz. Die beiden arbeiten eng mit dem Behindertenverband
Niedersachsen zusammen sowie mit der Bereitschaftspolizei und der
Polizeiinspektion Ost. „Von diesen Seiten erhalten wir enorm viel
Unterstützung, um unser Projekt auszuweiten und bekannt zu machen", sagt
Henrici.

von Julia Pennigsdorf

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